Natur

Natur ist alles, was nicht Mensch.

Natur sind Sachen. Die Natur richtet sich nach dem Naturgesetz. Fällt ein Blatt, angestossen vom Wind, ab dem Ast eines Apfelbaums auf die Wiese oder überschlägt sich auf dem freien Meer eine Welle, so sind Wind und Baum und Boden nach dem Naturgesetz schuldig, dies zu tun wie das Wasser auf dem Ozean. In solcher Beziehung sind die zwei, welche ihr angehören, beidseits Natur. Dabei handelt es sich um verhältnismässige Beziehungen. Nach dem Naturgesetz müssen die beiden, welche als Paar der Beziehung angehören, sich so verhalten. Ein solcher Vorgang macht die eine Seite, die Wiese, reicher und die andere, den Baum, entsprechend ärmer. Kein Gesetz vermag dies zu verbieten oder gar zu verhindern. Bei solcher Beziehung handelt es sich daher um eine gerechtfertigte Bereicherung, und zwar nach dem Naturgesetz. Es wäre denn auch nutzlos und ohne Sinn, wenn das Menschgesetz verbieten würde, was naturgesetzlich geschehen muss.
Doch auch der Mensch gehört der Natur an und ist von ihr nicht vollständig abgesondert. Wie jegliche Natur ist er schuldig, sich nach dem Naturgesetz zu verhalten. Der urteilsunfähige Mensch gebärdet sich allein naturbestimmt. Aus solchem Tun oder Unterlassen macht er sich nach Menschgesetz nicht schuldig. Wenn der Mensch, dem Naturgesetz folgend, atmet, Luft einschnauft und wieder ausschnaubt. Er kann nicht anders, wie einer, der durstig ist, Wasser schlucken muss. Er ist nach dem Naturgesetz schuldig zu trinken, und wenn er es getan hat, ist er bereichert und die Natur entsprechend ärmer gemacht. Auch einem andern wird der urteilsunfähige und sich damit nicht zweckgerichtet handelnde Mensch nicht verantwortlich. Ein von ihm abgegebenes Versprechen, sei es gegenseitig oder einseitig, ist ungültig und weder ein Vertrag noch eine erlaubte Handlung, sondern ein Unvertrag oder eine unerlaubte Handlung. Mit der Natur kann man keinen Vertrag schliessen.
Das Gesetz enthält jedoch zahlreiche Ausnahmen. Das Menschengesetz vermag naturbedingtes Geschehen zwar nicht zu verhindern. Aber es kann unter Umständen rückgängig machen, was die Natur angestellt hat. Aus naturbedingtem Verhalten wird ersatzpflichtig, als ob er urteilsfähig gewesen wäre, wer ohne Wissen und Wollen einem andern eine Sache weg nimmt, wenn ihm zu zahlen zuzumuten ist. Ebenso jemand unter achtzehn Jahren, wenn er im Zustand der Urteilsfähigkeit durch ein Verhalten, welches bei Urteilsfähigkeit eine unerlaubte Handlung wäre, Schaden gestiftet hat. Ersatzpflichtig ist auch, wer vorübergehend urteilsunfähig Schaden zugefügt, soweit er seinen Zustand bewusst auf dieses Ziel gerichtet herbeigeführt hat. Der unverhältnismässigen Vertreuung unterliegt auch der Urteilsunfähige. Überdies kann er unentgeltlich Vorteile erlangen, Erbschaften erwerben, Eigentum haben und andere Rechte. Wenn der eine aus dem Vermögen eines andern bereichert ist, ohne dass einer von den beiden zweckgerichtet gehandelt hätte, ist die Sache von der Natur vertreut worden, und trotzdem gilt er nach dem Menschgesetz als ungerechtfertigt bereichert und hat er die Sache, es handelt sich dabei um eine unverhältnismässige Beziehung, dem andern zurück zu geben.

Häufig setzt das Gesetz den Staat ein als Vertreter der Natur. Soweit er nicht Grundstücke erwirbt und sonstige Verträge für seine eigenen Bedürfnisse schliesst, tritt er für die Natur ein. Wenn einer vom Ufer des Flusses einen flach geschliffenen Stein weg nimmt oder eine Blume von der Wiese pflückt, um zuhause den Essenstisch zu schmücken, hat niemand etwas dagegen. Er verletzt weder das Naturgesetz noch ein Menschgesetz. Fährt er hingegen mit schwerem Gerät auf, um Kies in grossen Mengen zu gewinnen und ihn zum Bau von Häusern und Strassen zu verwenden, so kann sich die Natur dagegen zwar nicht wehren. Aber der Staat erhebt Abgaben von ihm, um die Gelder für andere Bedürfnisse von Mensch und weiterer Natur einzusetzen. Ohne Einwilligung der durch den Staat vertretenen Natur ist die gewerbliche Gewinnung von Bodenschätzen ein Unverhältnis, ein Verhältnis jedoch als Vertrag zwischen dem Unternehmer und der durch den Staat vertretenen Natur. Als Vertreter der Natur tritt der Staat auf, wo er Steuern erhebt oder Sozialleistungen und Subventionen ausrichtet. Wo der Mensch zahlen muss, auch wenn er dies nicht will, und der Staat ihm Geld gibt, obgleich er sich weder auf einen Vertrag zu berufen vermag noch auf eine unerlaubte Handlung von irgendwem. Wer Steuern zahlt begeht daher eine erlaubte Handlung als gebotene Handlung, wie der Staat, welcher Stipendien ausrichtet nach dem Menschgesetz. Das Kriterium zur Unterscheidung von Verträgen und erlaubten Handlungen besteht denn nicht darin, ob beide, welche der Beziehung angehören, zweckgerichtet handeln. Dies tun sie, ob verhältnismässig oder unverhältnismässig, auch im Verbrechen und Versprechen, ob eine Sache einseitig oder zwei Sachen gegenseitig übergehen.
Die einen haben dem Staat mehr zu geben als andere, wie diese weniger erhalten als jene. Das Gesetz ist ziemlich unberechenbar. Zwar stellt es Grundregeln auf, aber ebenso lässt es Ausnahmen zu und statuiert zudem Ausnahmen von den Ausnahmen. Gepeinigte vom Unwetter erhalten Unterstützung wie vom Strudel der Weltwirtschaft gebeutelte Banken, während andere, welche ebenso Schaden erleiden durch natürliche Ereignisse, leer ausgehen.
Leute werden ganz unterschiedlich mit Steuern belastet. Wer mehr hat, muss nicht nur mehr geben, sondern nach Massgabe seines Vermögens auch einen grössern Anteil vom Erwerb und den Sachen, die er hat. Weil es die Natur ist, welche den einen begünstigt und den andern benachteiligt. Ist es damit das Menschgesetz oder das Naturgesetz, welches dies oder jenes zum Grund für eine Beziehung erklärt?

Der Beziehung mit unwiderruflichem Zahlungsversprechen gehören die Bank an und der Verkäufer des Grundstücks. Das Paar besteht daher beidseitig aus Menschen oder Gemeinschaften von solchen, von denen jede Seite zweckgerichtet handelt.