Zusammenfassung, Ergänzungen, Präzisierungen

Um eine Theorie aufzustellen, sind zuvor deren Grundlagen zu klären. Die gilt auch für eine Theorie des unwiderruflichen Zahlungsversprechens. Bei der Erarbeitung dieser Grundlagen wurden teils neuartige Überlegungen angestellt und auch gewisse Erkenntnisse gewonnen, welche von der herrschenden Rechtstheorie abweichen. Fremd anmutende Terminologie macht das Ganze zudem teils ungewohnt. Zwar wurde versucht, systematisch darzustellen. Weil aber die Ergebnisse sich aber erst während der Arbeit entwickelten, haben sich nachträglich gewisse Ungenauigkeiten herausgestellt. Um nicht wieder von Vorn anfangen zu müssen, sollen hier die Grundlagen zusammenfassend dargestellt und dabei nicht nur deutlicher gemacht werden, was unklar, sondern auch Fehler korrigiert und zu ergänzt werden, wo etwas unvollständig geblieben ist. Fehlerhaft war hauptsächlich die Feststellung, dass der Anspruch auf Rückgabe einer unverhältnismässig zwischen zweien oder verhältnismässig mit der Verpflichtung zur Rückgabe sich verschobenen Sache, sofern es sich dabei nicht um Geld handelt, stets unverjährlich ist. Dies trifft nämlich nur dann zu, wenn der Eigentümer die Sache verloren hat, nicht aber für den Besitzer, der nicht Eigentümer ist. Deutlicher wird heraus zu stellen sein, wie sich Obligationenrecht und Sachenrecht unter einheitlichem Gesichtswinkel sehen lassen. Eigentümer einer Sache ist, wer sie verhältnismässig mit Nutzen und Lasten sowie Gefahren erworben hat, aber auch derjenige, welcher eine Sache ohne dies alles und damit treuhänderisch erworben hat. Ohne Eigentümer zu sein, ist namentlich ein Besitzer, der von einer Sache nur entweder den Nutzen oder nur die Lasten oder nur die Gefahren erworben hat. Zum Dreieck bleibt es zwar dabei, dass es kein einheitliches Vertrauen unter dreien gibt. Aber es kommt vor, dass, wenn eine Sache sich verschiebt, Vertrauen sich nicht nur unter den beiden tauscht, zwischen denen die Sache sich verschoben hat. Sondern dass Vertrauen unter dreien getauscht wird in dem Sinn, dass dies auch zwischen dem nicht besitzenden Eigentümer und demjenigen geschieht, dem die Sache zugegangen ist, sowie zwischen dem Eigentümer und dem jenigen, dem die Sache abgegangen ist. Dies ist nicht nur der Fall, wenn einer gutgläubig eine Sache von einem erwirbt, dem sie vom Eigentümer anvertraut worden ist, sondern stets dann, wenn ein Besitzer, der nicht Eigentümer ist, eine Sache verhältnismässig oder unverhältnismässig verliert.

Alles Geschehen ist Beziehung. Sie verwirklicht sich mit Anfang und Ende in Raum und Zeit durch Paar, Sache und Vertrauen. Dies erfolgt nach dem Gesetz als Naturgesetz oder als Menschgesetz. Jedes Gesetz, ob Naturgesetz oder Menschgesetz, ist vom Menschen aufgestellt, und zwar von demjenigen, welcher die Macht dazu und es durchzusetzen vermag. In der naturgesetzlichen Beziehung werden deren Anfang und Ende als Ursache und Wirkung bezeichnet; in der menschgesetzlichen Beziehung heissen sie Grund und Folge. In jeder Beziehung tauscht sich Vertrauen zwischen dem ihr angehörenden Paar, während die Sache entweder vom einen auf den andern übergeht oder bei einem von ihnen verharrt. Dem Paar gehören auf beiden Seiten entweder ein Mensch an oder die Natur. Mensch ist, wer in der Beziehung mit Wissen und Willen handelt, also sowohl bezüglich Raum und Zeit als auch zum andern, welcher der Beziehung angehört, sowie zur Sache und zum Vertrauen. Natur ist, was nicht Mensch. Die Sache verkörpert entweder Nutzen oder Lasten oder Gefahren. Das Vertrauen besteht aus Recht und Pflicht. Beziehungen lassen sich unter verschiedenen Gesichtswinkeln unterscheiden. Neben den vom Menschen statuierten Gesetzen, nämlich Naturgesetzte und Menschgesetze, gibt es noch das Ameisengesetz und ein das entsprechende Gesetz für jede einzelne Art von Tieren. Diese sind, ob Ameisen-Naturgesetz oder Ameisengesetz, sind dem Menschen nicht zugänglich. Der Mensch kennt die Naturgesetze der Ameisen so wenig sie das Ameisengesetz (ob z.B. den Ameisen verboten ist, Ameisen zu foltern).

Nach der Art des Gesetzes lassen sich die Beziehungen einteilen in menschgesetzliche Beziehungen und naturgesetzliche Beziehungen. Menschgesetzlich sind Beziehungen, in welchen beide von dem Paar in Anfang und Ende mit Wissen und Willen handeln. In den naturgesetzlichen Beziehungen steht in deren Anfang auf mindestens einer Seite des Paars die Natur, während im Ende einer solchen Beziehung auf einer Seite des Paars mindenstens ein Mensch steht. Menschgesetzlich sind das Versprechen und das Verbrechen. Naturgesetzliche Beziehungen sind das Vertreuen und das Verspreuen.

Nach der Rechtmässigkeit unterschieden sind Beziehungen entweder Verhältnisse oder Unverhältnisse. Verhältnisse sind in Anfang und Ende rechtmässig, Unverhältnisse im Anfang unrechtmässig und erst im Ende rechtmässig. Abgeschlossen als Ganze sind daher beide Arten von Beziehungen rechtmässig. Im Versprechen ist verhältnismässig der Vertrag und unverhältnismässig der Unvertrag, im Verbrechen verhältnismässig die erlaubte Handlung und unverhältnismässig die unerlaubte Handlung, im Vertreuen verhältnismässig die gerechtfertigte Bereicherung und unverhältnismässig die ungerechtfertigte Bereicherung, im Verspreuen verhältnismässig die doppelte gerechtfertigte Bereicherung und unverhältnismässig die zweifache ungerechtfertigte Bereicherung.

Nach der Anzahl der zur Beziehung gehörenden Sachen lassen sich Beziehungen unterscheiden in einsachige Beziehungen und zweisachige Beziehungen. Nur eine Sache gehört zum Verbrechen, sei es eine erlaubte oder eine unerlaubte Handlung, und zum Vertreuen, sei es eine gerechtfertigte oder ungerechtfertigte Bereicherung. Zweisachig sind das Versprechen und das Verspreuen, also der Vertrag und der Unvertrag einerseits und anderseits das Verspreuen als Mischung zwischen Versprechen und Vertreuen.

Zeit bedeutet entweder Gleichzeitigkeit oder Ungleichzeitigkeit. Auch unter diesem Gesichtswinkel lassen sich nicht verschiedene Arten von Beziehungen unterscheiden. Wenn zwar gewisse Beziehungen bisher sich nur in der Gleichzeitigkeit vorstellen lassen, beispielsweise die Beziehung zwischen dem Eigentümer einer Sache und demjenigen, der sie von einem Dritten gutgläubig erworben hat, dem der Eigentümer diese Sache anvertraut hatte, so kann doch wie bei der Unterscheidung nach der Sachenart jede Beziehung danach eingeteilt werden, ob sie sich in der Gleichzeitigkeit oder der Ungleichzeitigkeit abspielt. Hier geht es auch um die Jährung Erjährung und Verjährung)

Eine Sache ist verkörpert entweder Nutzen oder Lasten oder Gefahren. Nutzen sind bejahten Wert verkörpernde Sachen. Lasten sind verneinten Wert verkörpernde Sachen. Gefahren sind ungewissen Wert verkörpernde Sachen. Nach diesem Kriterium werden nicht verschiedene Arten von Beziehungen unterschieden, sondern jede einzelne Beziehung danach, welchen Wert die zugehörige Sache hat oder die zugehörigen zwei Sachen ausmachen. Diese Unterscheidung ist unter anderm zur Frage der Jährung von Bedeutung, aber auch in welche Richtung sich Sache oder die Sachen sich bewegen.

Eigentümer ist, wer eine Sache verhältnismässig erworben hat. Nicht Eigentümer ist, wer von einer Sache nur den Nutzen oder nur die Lasten oder nur die Gefahren erworben hat. Sein Rückgabeanspruch, wenn ihm die Sache abhanden kommt, ist verjährlich. Er richtet sich nach Vertrag oder nach Besitzesrecht.